5.1. Barrieren bei der flächendeckenden Umsetzung von Stewardship-Programmen
Die kritische Synthese veröffentlichter Evaluationsergebnisse verdeutlicht ein zentrales Spannungsverhältnis in der stationären Versorgung: Während formale Stewardship-Programme eine nachweisbare Verringerung des Verbrauchs risikoreicher Breitbandsubstanzen begünstigen, bleibt die allgemeine Angemessenheit individueller Therapieschritte häufig unzureichend [6]. Die Einführung lokaler Behandlungsrichtlinien und Antibiogramme kann zu einer deutlichen Verschiebung hin zu schmaler wirksamen Erstlinienmedikamenten führen und die Adhärenz bei der chirurgischen Prophylaxe massgeblich stärken [2]. Gleichwohl zeigen sich deutliche Grenzen rein restriktiver Vorgaben, wenn diese nicht von kontinuierlichen klinischen Feedbackschleifen und institutionellen Schulungsformaten begleitet werden. In vielen öffentlichen Spitälern klafft eine Lücke zwischen dem theoretischen Problembewusstsein der Behandelnden und der konkreten Therapieentscheidung am Krankenbett. Erschwerend kommt hinzu, dass mikrobiologische Resistenzmuster lokal stark variieren und standardisierte Vorgaben ohne standortspezifische Anpassung rasch an klinischer Akzeptanz verlieren. Die bestehende Evidenzbasis weist zudem eine methodische Limitation auf, da heterogene Messgrössen und uneinheitliche Definitionen der Verschreibungsangemessenheit den direkten Vergleich zwischen verschiedenen Gesundheitssystemen erschweren. Für eine nachhaltige Senkung der Selektionsrisiken bedarf es somit koordinierter, multidisziplinärer Ansätze, die diagnostische Prozesse eng an therapeutische Re-Evaluationsroutinen koppeln.