5.1 Bewertung marktbasierter Instrumente versus physikalischem Netzausbau
Die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien verschärft die strukturelle Diskrepanz zwischen den physikalischen Lastflüssen und dem bestehenden zonalen Marktdesign in Mitteleuropa. Die vorliegenden Befunde verdeutlichen, dass das etablierte Flow-Based Market Coupling an systemische Grenzen stößt, wenn interne Netzengpässe durch nachträglichen, kostenintensiven Redispatch behoben werden müssen. In diesem Kontext zeigt sich, dass eine koordinierte Integration präventiver Redispatch-Mechanismen in den Day-Ahead-Markt die grenzüberschreitenden Handelskapazitäten signifikant erweitern und Wohlfahrtsverluste verringern kann ("Integration of Day-Ahead Market and Redispatch", 2020). Zudem zeigt der Vergleich verschiedener Marktmodelle, dass zonale Ansätze ohne präventive Koordination systemische Ineffizienzen erzeugen, welche die Integration erneuerbarer Erzeugungskapazitäten hemmen. Dieser marktbasierte Ansatz optimiert die Ausnutzung bestehender Übertragungsnetze, ersetzt jedoch nicht den langfristigen Bedarf an strukturellem Netzausbau. Gleichzeitig erfordert die stochastische Einspeisung eine mathematische Erfassung von Unsicherheiten in Echtzeit, um die Steuerungsgesetze im Übertragungsnetz vorausschauend anzupassen und lokale Entscheidungen auf das Gesamtsystem abzustimmen ("Managing the Uncertainty", 2026). In der wissenschaftlichen Literatur besteht eine wesentliche Forschungslücke hinsichtlich der methodischen Verknüpfung dieser prädiktiven Regelungsalgorithmen mit integrierten Day-Ahead-Redispatch-Verfahren unter dynamischen Verbundbedingungen. Bisherige Arbeiten behandeln marktliche Mechanismen und regelungstechnische Netzbetriebskonzepte weitgehend isoliert voneinander. Die Aussagekraft der analysierten Modellierungsansätze unterliegt methodischen Limitationen. Insbesondere basieren die Optimierungsmodelle auf vereinfachten Annahmen bezüglich des strategischen Marktverhaltens und vernachlässigen unvorhersehbare Extremereignisse sowie divergierende regulatorische Barrieren zwischen den Gebotszonen. Zudem schränken fehlende empirische Echtzeitdaten über das Verhalten dezentraler Erzeuger die Übertragbarkeit theoretischer Simulationsergebnisse auf reale Ne…