4.1 Finanzielle Ressourcenallokation und Betreuungsverhältnisse
Die Verbindung zwischen kantonalen Finanzierungsmodellen und vorzeitigen Studienabbrüchen verdeutlicht strukturelle Spannungsfelder in der Schweizer Hochschullandschaft. Das System der interkantonalen Lastenabgeltung zielt primär darauf ab, Standortkantone für ausserkantonale Studierende finanziell zu entschädigen [1]. Diese finanzielle Zuweisung setzt jedoch primär quantitative Immatrikulationsanreize, während qualitative Verbleibsfaktoren in den Budgetierungsformeln häufig nachgelagert bleiben. Dies führt dazu, dass Hochschulen mit hohem Studierendenzulauf eine Verdichtung der Betreuungsverhältnisse erfahren, was insbesondere in der anspruchsvollen Assessmentphase das Risiko individueller Überlastung erhöht [3]. Da Leistungsprüfungen in frühen Studienphasen stark selektiv wirken, schlägt sich eine mangelnde finanzielle Abfederung von Unterstützungs- und Beratungsstrukturen direkt in erhöhten Abbruchneigungen nieder. Die Heterogenität kantonaler Finanzkraft erzeugt somit divergierende Rahmenbedingungen bezüglich Tutoring, akademischer Integration und formativem Feedback. Folglich offenbart die Analyse, dass Drop-out-Phänomene nicht ausschliesslich auf individuelle Leistungsdefizite zurückzuführen sind, sondern massgeblich durch die institutionelle Ressourcenausstattung und kantonale Steuerungslogiken vorstrukturiert werden.