4.2. Limitationen bestehender Evidenz und Anforderungen an prospektive Studien
Die methodische Synthese diagnostischer Studien offenbart eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen algorithmischer Leistungsfähigkeit und tatsächlicher klinischer Wirksamkeit im Routinebetrieb. Zahlreiche Primäruntersuchungen belegen eine hohe diagnostische Güte in retrospektiv kuratierten Datensätzen, vernachlässigen jedoch systematisch die Anforderungen an multizentrische Validierungen und standardisierte Workflow-Messungen [8]. Eine isolierte Betrachtung von Treffsicherheitsmaßen greift zu kurz, da exzellente Modellwerte in geschlossenen Trainingsumgebungen keineswegs einen automatischen Gewinn an diagnostischer Effizienz im Screening garantieren [3]. Vielmehr besteht die Gefahr, dass verdeckte Verzerrungspotenziale bei der Fallauswahl und die Beschränkung auf interne Testdaten zu einer Überschätzung der klinischen Eignung führen [8]. Zur Schließung dieser methodischen Lücke muss ein zukunftsfähiges Metaanalyse-Protokoll Kriterien etablieren, die neben gepoolten Sensitivitäts- und Spezifitätswerten auch Implementierungsindikatoren wie die Reduktion unnötiger Folgeabklärungen und die Entlastung des Fachpersonals strukturiert erfassen [3]. Erst durch eine solche mehrdimensionale Synthesestrategie lässt sich verlässlich beurteilen, ob KI-gestützte Triage-Systeme einen messbaren Mehrwert für standardisierte Früherkennungsprogramme bieten.