Diskussion: Herausforderungen intersektionaler Präventions- und Interventionskonzepte
Die Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischer Gewalt im Hochschulkontext verdeutlicht, dass rein administrative Richtlinien oder isolierte Null-Toleranz-Kampagnen strukturelle Machtungleichgewichte nicht automatisch aufheben. Vielmehr zeigt sich in hochschulpolitischen Diskursen, dass institutionelle Managementstrategien häufig primär darauf ausgerichtet sind, die Reputation der jeweiligen Universität im neoliberalen Wettbewerbsumfeld zu schützen, wodurch notwendige Reformen auf rein symbolische Maßnahmen reduziert werden (Changing the Culture, 2019). Wenn der Schutz des institutionellen Ansehens Vorrang vor einer tiefgreifenden Transformation erhält, verbleibt die tatsächliche Unterstützungsarbeit für Betroffene oft bei engagierten Einzelpersonen im Lehrkörper, während strukturelle Ursachen wie Sexismus, Patriarchat und informelle Hierarchien weitgehend unangetastet bleiben (Changing the Culture, 2019). Um dieser problematischen Dynamik wirksam entgegenzuwirken, bedarf es eines ganzheitlichen Ansatzes, der individuelle Erfahrungen mit organisationalen und gesellschaftlichen Machtstrukturen verknüpft. Wie aktuelle wissenschaftliche Arbeiten betonen, erfordert die fundierte Analyse geschlechtsspezifischer Gewalt ein mehrdimensionales Rahmenkonzept, das makro-, meso- und mikropolitische Dimensionen verbindet und intersektionale Machtverhältnisse systematisch integriert (Researching the Un/Speakability, 2026). Erst wenn Universitäten die Verwobenheit von geschlechtsspezifischen Hierarchien und organisationaler Kultur auf sämtlichen Ebenen reflektieren, lassen sich bestehende Tabuisierungsmechanismen, Grauzonen und institutionelle Schweigekulturen nachhaltig durchbrechen. Prävention und Intervention dürfen sich folglich keinesfalls in reaktiver Imagepflege erschöpfen. Eine tiefgreifende Kulturveränderung setzt vielmehr voraus, dass Hochschulen sichere Strukturen schaffen, in denen Betroffene ohne Angst vor Stigmatisierung oder Sanktionen Unterstützung finden und institutionelle Reaktionsmuster kritisch hinterfragt werden (Changing the Culture, 2019). Nur durch eine verbindliche Verankerung intersektionaler Schutzkonzepte kann das Spannungsverhältnis zwischen o…